Chronik  der  „Taunusprozession - Walldürn"

 
Es ist heute nicht mehr genau festzustellen, seit wann die Taunusprozession zum Hl. Blut nach Walldürn pilgert. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts (etwa 1820) soll die Prozession von Wicker und Weilbach am Main ihren Anfang genommen haben. Später wurde Reifenberg der Ausgangspunkt der Taunusprozession. Aus den umliegenden Ortschaften Königstein, Schlossborn, Schmitten, Seelenberg, Schwalbach usw. schlossen sich ebenfalls Pilger dieser Prozession an. In der ersten Zeit wurde der gesamte Weg zu Fuß zurückgelegt. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und später der übrigen Verkehrsmittel wurden dann einige Fahrstrecken eingelegt.
 
 
Bis 1922 gingen die Fußpilger den ganzen Weg bis Kleinheubach zu Fuß. Von 1922 bis1951 führte der Weg von Niedernberg über den Main nach Sulzbach, von dort aus wurde mit der Bahn nach Kleinheubach gefahren.
 
Etwa um 1925 hat sich die Wallfahrt in zwei Gruppen geteilt, in Fahrer und Fußgänger.
 
Die Fußgänger beginnen am Wochenende nach Fronleichnam die Wallfahrt, während die Fahrer erst zwei Tage später abfahren und mit den Fußgängern unterwegs am Engelberg in Großheubach zusammentreffen.
 
Früher wurde zu Beginn der Wallfahrt jedes Mal ein neuer „Führer" gewählt. Später wurde dieses Ehrenamt für längere Zeit ein und derselben Person übertragen. Seit 1931 wird ein Wallfahrtsteam gebildet, das zusammen mit dem Pilgerführer die Vorbereitung und Durchführung der Wallfahrt organisiert. Das Wallfahrtsteam überprüft auch die Kassenführung.
 
 
Die Taunusprozession war in Walldürn auch als die „Männerprozession" bekannt, weil an ihr im Gegensatz zu anderen Prozessionen verhältnismäßig viele Männer teilnahmen. Dies hat sich im Laufe der Zeit geändert, fanden doch auch immer mehr Frauen Zuspruch an der Wallfahrt, so dass man - abgesehen von den Fußpilgern - von einer „gemischten Prozession" sprechen kann.
Das alte Wallfahrtskreuz und die Wallfahrtsfahne, die 1933 von Niederreifenberger Frauen gestiftet wurde, begleiten die Wallfahrer nach Walldürn. Eine neue Wallfahrtsfahne wurde von der Taunusprozession im Jahr 1962 angeschafft.
 
 

Wallfahrtsverlauf

 
Alljährlich am ersten Wochenende nach Fronleichnam beginnt die traditionelle „Taunusprozession" der Gemeindewallfahrt zum Heiligen Blut nach Walldürn.
 
Der Abmarsch der Fußpilger erfolgt um 12.00 Uhr am Goetheturm in Frankfurt-Sachsenhausen in Richtung Heusenstamm (die Abfahrt der Fahrer erfolgt zwei Tage später). Am Heusenstammer Wald wird die Wallfahrt durch den Prozessionsführer eröffnet. Nach Beendigung des 1. Betrachtungsgebetes kommt Heusenstamm in Sicht. Hier erfolgt der Einzug in die Kirche mit Gesang und Gebet. Anschließend Rast in einem Gasthaus in Heusenstamm.
 
Der weitere Weg führt dann mit Beginn der Gebete zur 2. Betrachtung nach Jügesheim. Nach Ankunft erfolgt der Einzug in die Kirche mit Abendmesse und gemeinsamen Abendgebet. Danach Weitermarsch bis Dudenhofen, wo derzeit übernachtet wird.
 
Am nächsten Morgen frühzeitiger Abmarsch in Richtung Harreshausen, wobei zuerst das Morgengebet verrichtet wird, dem sich Rosenkranz, Litanei für die Verstorbenen und die Gebete der 3. Betrachtung anschließen.
 
Nach kurzer Rast in Harreshausen wird der Weg fortgesetzt Richtung Großostheim. Auf dem Weg dorthin bis zur „Gänseweide" werden die Gebete der 4. Betrachtung, Rosenkranz, Litanei usw. gebetet.
 
 
Am Ortseingang von Großostheim werden die Fußpilger von einem Bus abgeholt, der die Prozession zur Kirche in Großostheim bringt. Dort erfolgen Einzug mit Gesang, Gebete und sakramentaler Segen. Die Prozession fährt danach mit dem Bus nach Großheubach am Engelberg. Während der Fahrt werden die Gebete der 5. Betrachtung gebetet. In Großheubach ist Mittagsrast. Abends versammeln sich die Fußpilger um 18.00 Uhr auf dem Engelberg, wobei eine kurze Andacht gehalten und das Abendgebet verrichtet wird.
 
Am nächsten Morgen treffen die Fahrpilger (Bus) ein und die Wallfahrt wird nun gemeinsam fortgesetzt.
 
Nach dem Treffen an den ersten Stufen zum Kloster Engelberg erfolgt eine gemeinsame Prozession zum Kloster (612 Stufen), wobei die Gesetze des glorreichen Rosenkranzes gebetet werden. Es schließen sich Empfang vor der Klosterkirche (Bild der schmerzhaften Mutter), Einzug in die Kirche mit Amt und Segen an.
 
Nach der anschließenden  gemeinsamen Frühstückspause trifft man sich am Kirchenportal zum Pilgersegen und setzt dann die Prozession in Richtung Miltenberg über die „Maria-Hilf-Kapelle" fort. Dabei werden der schmerzhafte Rosenkranz sowie die Litanei für die Verstorbenen gebetet. An der Kapelle erfolgt eine kurze Andacht mit Marienliedern und Mariengebeten. Unterhalb des Waldes (vor Miltenberg) betet die Prozession Fürbitten und Vaterunser für die Anliegen der einzelnen Pilger. In Miltenberg wird vor der Weiterfahrt eine Sammlung für die Kosten der Prozession abgehalten.
 
Ab der Ortschaft Wenschdorf setzen die Fußpilger ihren Fußmarsch fort mit den Gebeten der 6. und 7. Betrachtung in Richtung Gerolzahn. In Gerolzahn Mittagspause. Danach schließt sich die letzte Fußetappe nach Walldürn an. Am Beginn eines Waldanstieges werden die „5 Wunden" gebetet und gesungen. (Lied: „O gütigster Herr Jesu Christ.."). Es folgen die Meditationen, Vaterunser in verschiedenen Anliegen, dazwischen Liedverse.
 
Zum Einzug in Walldürn wird die gesamte Prozession (Fußpilger und Fahrer) am Geriatriezentrum (ehem. Krankenhaus) vom Pfarrer und den Messdienern gegen 15.15 Uhr abgeholt.
 
Nach feierlichem Einzug in die Wallfahrtskirche wird am Hochaltar der sakramentale Segen erteilt und anschließend am Blutsaltar das Begrüßungsgebet verrichtet.
 
Um 18.00 Uhr treffen sich die Pilger am  Haupteingang der Basilika zur Feier an der Lourdesgrotte. Hier erfolgt eine kurze Andacht mit Mariengebeten und Marienliedern. Danach wird traditionsgemäß die Ehrung von Neulingen und Jubilaren vorgenommen. Abends Andacht und Predigt in der Basilika und evtl. Lichterprozession.
 
Am nächsten Morgen (Abfahrtstag) Hochamt für die Taunusprozession. (Während des Hochamtes werden evtl. Pilgerehrungen öffentlich vom Wallfahrtsleiter vorgenommen). Anschließend Besuch der Nebenaltäre in der Basilika mit Gebeten und Gesängen (jeweils passend zu den einzelnen Darstellungen der Altäre).
 
Abschied von Walldürn ist um 13.00 Uhr mit dem Treffen am Fahnenstand zum Abschiedsgebet vor dem Blutaltar. Anschließend Erteilung des Segens am Hochaltar, Verabschiedung und Auszug aus der Wallfahrtkirche.
Ansprechpartner

Benjamin Sturm

Pilgerführer