Wenn man die 25 Pilger aus Bad Schönborn singend mit ihrem Holzkreuz im Wallfahrtsort Walldürn ankommen sieht, wird einem die Vielfalt dieser Glaubensgemeinschaft bewusst: trotz der kleinen Gruppe ist jedes Alter vertreten und es entsteht während der dreitägigen Wanderung eine familiäre Gemeinschaft, in der - gerade wegen der geringen Teilnehmerzahl - bereichernde Gespräche, gegenseitiger Austausch und gemeinsames Beten möglich sind.
Für viele ist die Wallfahrt nach Walldürn eine "Auszeit vom Ich" geworden, obwohl die Ursprünge dieser Fußwallfahrt gerade einmal 24 Jahre zurückliegen.
Begonnen hat die Mingolsheimer Wallfahrt nämlich mit dem Besuch eines Festgottesdienstes von Karl und Renate Hoffmann in der Walldürner Basilika zur Wallfahrtszeit 1987.
Spontan entschied Karl, sich im kommenden Jahr selbst auf den Weg zu machen.
In den folgenden Jahren wuchs die Anzahl der Pilger auf 25 an. Die Nachfrage wuchs ebenfalls, doch leider können aufgrund von Schwierigkeiten bei der Unterkunft keine zusätzlichen Pilger in die Gruppe aufgenommen werden.
Der Weg der Mingolsheimer Gruppe führt über Mühlhausen, Zuzenhausen und Neidenstein bis zur ersten Übernachtungsstätte in Schwarzach. Traditionell wird dabei am frühen Nachmittag in der kleinen Burgkapelle von Neidenstein ein Gottesdienst gefeiert.
Auch am zweiten Tag pilgert die Gruppe vorwiegend auf Feld- und Waldwegen ihrem Ziel entgegen. Nach der Überquerung des Neckars bei Neckargerach und einer kurzen Rast, erwandert die Gruppe unter Schweigen die Odenwälder Höhe im Fahrenbacher Wald und erreicht zur Mittagszeit die Kneippanlage bei Fahrenbach, deren kühles Nass die müden Beine wieder aktiviert. Über die Wanderbahn geht es nach einer ausgiebigen Pause dann weiter bis schließlich am späten Nachmittag Hollerbach erreicht wird, das Ziel des zweiten Tages.
Der dritte Tag beginnt sehr zeitig. Bereits um 6:00 Uhr starten die Wallfahrer mit einem Morgengebet ihre letzte Etappe, schließlich will man rechtzeitig zum Pontifikalamt an der Basilika St. Georg sein. Über Buchen gelangen die Pilger zum Wallfahrtsort, wo sie von Diakon Becker stets herzlich begrüßt werden.
Das Gefühl der Pilger beim gemeinsamen Einzug in die Basilika, am Ende des 95 km langen Weges, lässt sich mit Worten schwer beschreiben. Der Festgottesdienst um 9:30 Uhr ist Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss des Weges, auf dem man gebetet, gesungen und geschwiegen, Gedanken und Sorgen geteilt, sich gegenseitig Mut gemacht, Hoffnungen ausgetauscht und Freude am Glauben gefunden hat.




