Rückblick des 1. Pilgerführers Robert Wengerter

 
Zur Geschichte der Wallfahrt zum Hl. Blut von Walldürn kann folgendes berichten werden:
 
Die ersten Walldürnpilger aus Großwallstadt haben sich der Wallfahrt aus Aschaffenburg angeschlossen. Später haben die Großwallstädter eine eigene Wallfahrt, nach Walldürn bei ihrem Landesherren dem Kurfürsten und Fürstbischof von Mainz beantragt und genehmigt bekommen.
 
Seit über 200 Jahren (vor der Säkularisation) gehen somit die Großwallstädter nach Walldürn. Ununterbrochen (70 Jahre) pilgern die Großwallstädter seit Ende des 2. Weltkrieges nach Walldürn.
 
 
Vom Vorgänger bekam Robert Wengerter dazu Folgendes erzählt (es muss unmittelbar nach Kriegsende 1945 gewesen sein):

Der damalige Pfarrer von Großwallstadt Pfarrer Hennig sprach unterhalb der Kirche Alois Hartlaub an: „ Herr Hartlaub was wir jetzt brauchen ist ein Führer und eine Fahne für die Wallfahrt nach Walldürn!“.
 
Nachdem noch keine Züge fuhren bereiteten sich die Großwallstädter auf die Wallfahrt vor. Als Verpflegung für unterwegs wurde ein Laib Brot in einem feuchten Tuch in ein Rucksack eingepackt. 1945 wurde ein Tag nach Walldürn gelaufen, ein Tag blieben sie dort und am dritten Tag wurde die ganze Wegstrecke wieder zurückgelaufen.
 
1945 waren wir von den Amerikanern besetzt, Straßensperren durch die Militärs waren üblich. Viele Menschen waren nach Kriegsende auf der Flucht und wollten nur noch heim. So ging es auch einigen Zivilisten und ehemaligen Soldaten die bei Miltenberg wegen der Straßensperren nicht weiter gehen konnten.
 
In Ihrer Not baten sie die herankommenden Großwallstädter Pilger sich in deren Pilgergruppe einreihen zu dürfen. Die Großwallstädter stimmten zu und die Fremden wurden so als Großwallstädter durch die Straßensperren hindurch geschmuggelt. In ausreichender Entfernung nach der Sperre bedankten sie sich bei der Großwallstädter Pilgerschar und zogen wieder ihre eigenen Wege weiter.
 
In den darauffolgenden Jahren fuhren die Großwallstädter mit der Fähre über den Main nach Kleinwallstadt zum Bahnhof und mit dem Zug nach Miltenberg weiter. In der Kapuzinerkirche in Miltenberg gab es einen Gottesdienst und danach ging es die Steige (Stasch) nach Wenschdorf hoch, die Taschen, das Gepäck, wurde getragen, denn es gab kein Begleitfahrzeug.
 
Etwa 1974 wurde Robert Wengerter von Alois Hartlaub gebeten ihm als Pilgerführer nachzufolgen. Damals gingen gut 20 Personen mit nach Walldürn. Über 200 Personen waren wir als unser damaliger Pfarrer Friedbert Simon für die Wallfahrt als Pfarrwallfahrt warb.
 
2014 wurde ein Verein gegründet der nicht nur die Wallfahrt zu Heiligen Blut nach Walldürn, sondern auch alle Belange der Pilger und der Gläubigen bearbeitet und natürlich auch organisiert. Zur Zeit hat der Verein: „Wallfahrtsverein zum Hl. Blut in Walldürn -Walldürnpilger Großwallstadt-“ 30 aktive Mitglieder.
 
Zum 70. Mal in ununterbrochener Folge nach dem 2. Weltkrieg pilgerten die Großwallstädter am Samstag, 30. Mai 2015 nach Walldürn zum Heiligen Blut. Am Dreifaltigkeitssonntag, 31. Mai, nach dem Mittagessen ging es wieder von Walldürn zurück nach Großwallstadt. Pilgerführer sind Robert Wengerter und Ralf Hartmann.
 

Ablauf der jährlichen Wallfahrt nach Walldürn

Die Pilger treffen sich immer am Samstag vor dem Dreifaltigkeitssonntag um 6.30 Uhr in der Großwallstädter Kirche zum Morgengebet und Pilgersegen. Unter Begleitung der Musikkapelle wird anschließend durch die Haupt- und Obernburger Straße zum Alten Brunnen gezogen. Dort stehen Busse für den Transport zur Wenschdorfer Höhe bei Miltenberg bereit. Jene Pilger, welche die ganze Wegstrecke ab Großwallstadt zu Fuß zurücklegen wollen, sind bereits kurz nach Mitternacht am Marienplatz abmarschiert.
 
 

Rast in Gottersdorf

Auf befestigten Straßen sowie Feld- und Waldwegen ziehen die Wallfahrer betend und singend zur Basilika nach Walldürn. Auf halber Wegstrecke in Gottersdorf gibt es eine Rast. Ein Begleitfahrzeug für den Gepäcktransport sowie für Verschnaufpausen begleitet die Gruppe. Die reine Gehzeit beträgt zweimal jeweils etwa eineinhalb Stunden.
 
Direkt nach der Ankunft in Walldürn gegen 12:15 Uhr wird für alle Pilger eine heilige Messe gefeiert. Am späten Nachmittag steht ein Bus für die Rückfahrt bereit. Listen für die Fahrt mit den Bussen liegen in der Kirche am Schriftenstand zur Eintragung bereit.
 
Am Dreifaltigkeitssonntag, 31. Mai, beginnt um 8:00 Uhr die Pilgermesse für alle lebenden und verstorbenen Pilger aus Großwallstadt und Umgebung in der Basilika von Walldürn.
 
 

Abschlussandacht mit Kölner Fußwallfahrt

Am Sonntag-Nachmittag gegen 13.15 Uhr pilgern die Großwallstädter wieder über Gottersdorf nach Großwallstadt zurück. Gemeinsam mit den von Köln kommenden Walldürnpilgern ziehen beide Gruppen zur feierlichen Abschlussandacht in die Großwallstädter Kirche ein. Dazu sind auch Gläubige aus Nachbargemeinden eingeladen.
Ansprechpartner

Horst Wenderoth

Anmeldung/Info

Gottesdienst
Sa. 30.05.2026, 12:00
Pilgeramt
So. 31.05.2026, 08:00
Pilgeramt

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