Entstehung der Wallfahrt von Einhausen nach Walldürn

Nach den vorhandenen Aufzeichnungen über diese Einhäuser Walldürnwallfahrt machte Würsching im September 1989 erstmals die Tour durch den Odenwald in das Baden-Württembergischen Städtchen Walldürn. Initiator dieser Wallfahrt war Lorenz Zimmer, ein Cousin des Geehrten. Dieser hatte bei einem Fernsehbericht über die Kölner Walldürnwallfahrt spontan den Entschluss gefasst, gleichfalls zu Fuß zum „Heiligen Blut“ ins Odenwaldstädtchen zu pilgern.

Zimmer animierte damals seinen gut 10 Jahre jüngeren Cousin, ihn zu begleiten. Seine berufliche Tätigkeit verhinderte einen gemeinsamen Aufbruch, weshalb Helmut Würsching seinen Cousin erst ab dem 2. Tag von Hesselbach aus, eine an der südöstlichen Grenze von Hessen gelegene Gemeinde, begleitete. Beide übernachteten damals in Hainstadt bei einer Cousine der inzwischen verstorbenen Ehefrau von Lorenz Zimmer. Sonntags legten sie dann die letzten Kilometer nach Walldürn zurück.

Vom Oktober 1989 bis Mai 1992 war Helmut Würsching berufsbedingt in New York, sodass seinem Cousin der Begleiter für neuerliche Walldürnwallfahrten fehlte. Joseph und Richard Schaider, Bensheimer Cousins der beiden Walldürnpilger aus Einhausen, ermunterten Lorenz, sich diesbezüglich doch den Kolpingbrüder von Bensheim anzuschließen. So lernte der Diplom Ingenieur die Wege kennen, auf denen noch heute die Wallfahrer aus Einhausen gehen.

Nach einer Heiligen Messe geht's nach Bensheim, von dort weiter über Schannenbach, Krumbach und Weschnitz nach Ober-Ostern, dem Ziel des ersten Tages. Nächtigten die Kolpingbrüder am ersten Wallfahrtstag regelmäßig in einem Schulsaal in Weschnitz, so suchten sich die Einhäuser ein Gasthaus in Ober-Ostern fürs Quartier aus. Alle weiteren Stationen entsprachen denen der Bensheim Kolpingfamilie. So finden die Pilger aus dem Hessischen Ried auch heute noch in der 2. Nacht Unterkunft in Boxbrunn, teilweise im "Bayerischen Hof" oder im Pilgerheim "Sankt Josef" des Viernheimer Wallfahrtsvereins.

Auf dem Weg dorthin steigen sie samstags hoch zur Walburgiskapelle bei Fürth i. O. fürs Morgengebet.
 
 
Bei der Fußwallfahrt 2013 der Männer nach Walldürn wurde Helmut Würsching für seine 20. Teilnahme an dieser Veranstaltung der katholischen Kirchengemeinde Einhausen vom Wallfahrtsleiter Josef Bregula mit einer Urkunde ausgezeichnet. Diese Wallfahrt, bei der rund 90 Kilometer quer durch den Odenwald zu Fuß zu bewältigen sind, findet seit Jahren am letzten Wochenende im August statt, wobei darauf geachtet wird, dass alle drei Wallfahrtstage im August liegen. Eine Ausnahme gab es bisher nur in 2013. In diesem Jahr war am 01. September der letzte Wallfahrtstag.
 
 
Beim "Lärmfeuer" ist dann eine kurze Gebetsstation, ehe es zur Mittagsrast in Ober Mossau geht. Weiter lenken sie dann ihre Schritte durch den Friedwald nach Michelstadt, von wo aus sie einen steilen, schweißtreibenden halbstündigen Anstieg zum Eulbacher Park zu bewältigen haben. Am späten Nachmittag kommen sie schließlich in Boxbrunn an. Dort gestalten die Männer aus Einhausen üblicherweise - meist mit Pfarrer Norbert Eisert, dem Kolpingpräsese aus Bensheim - die Vorabendmesse.
 
Sonntags halten sie Gebetsstationen am "Zweibild", in der Kapelle von Amorsbrunn und in der Wallfahrtskirche Schneeberg. Zur letzten Rast verweilen sie schließlich in Rippberg. Danach werden die nicht enden wollenden letzten 12 Kilometer nach Walldürn in Angriff genommen.
 
Während der Tour mit den Pilgern aus Bensheim erzählte Lorenz hin und wieder von seiner Jagdleidenschaft. Das führte dazu, dass er versprach, ein Reh für ein die jeweilige Wallfahrt abschließendes Wildessen zu spendieren. So entstand das seit 1995 im Einhäuser Pfarrzentrum veranstaltete Wild- bzw. Wallfahreressen. Beim ersten Benefizessen im Pfarrzentrum von Einhausen waren fast nur Mitglieder der Bensheim Kolpingfamilie zugegen.

Der alljährlich durch das Essen erzielte finanzielle Überschuss ging fast immer an den Orden der „Göttlichen Vorsehung“ für deren Missionsstation in Peru. Ursächlich dafür war, dass die Tante von Zimmers Ehefrau einige Jahre Mitglied der obersten Leitung dieser Schwesterngemeinschaft war. In 2010 wurde aber auch für die Erdbebenopfer von Haiti, in 2011 und 2013 für die neue Orgel der Pfarrgemeinde St. Michael Einhausen gespendet.
 
 
Lorenz Zimmer gelang es in 1992 bei weiteren Personen aus Einhausen die Begeisterung für eine Wallfahrt nach Walldürn zu wecken. So machten sich in diesem Jahr Walter Hiemenz, Albert Junker zusammen mit ihm und seinem Cousin Helmut zur 1. Fußwallfahrt der Männer aus Einhausen auf den Weg. Ausgangspunkt dafür war – wie bei den Bensheimer Kolpingbrüder - die Kapelle des Heilig Geist Hospitals in Bensheim. Das änderte sich dann in 1995. Ab diesem Jahr ging’s von der Kirche der Pfarrgemeinde Einhausen los.
 
In diesem Jahr zogen bereits 20 Männer zum Odenwälder Wallfahrtsort. Die Teilnehmerzahl stieg stetig von Jahr zu Jahr. Seit 2008 lag sie nie unter 40 Wallfahrern. 2011 war sie mit 54 Personen am höchsten. Eine solch große Zahl an Teilnehmern brachte für Helmut Würsching, der sich seit 2002 um die Organisation der Wallfahrt kümmert, vor allem Unterbringungsprobleme in Boxbrunn mit sich, die nur dadurch gelöst werden konnten, dass einige Wallfahrer in Vielbrunn untergebracht und dorthin gefahren wurden.
 
 
Der leider im März 2013 verstorbene Kurt Wiegand nahm seit 1995 an der Pilgertour teil. Er entwarf das Deckblatt zum Begleitheft für die Wallfahrt, das Helmut Würsching seit 2002 zusammen mit seinem Sohn Bernd gestaltet, er schrieb und fertigte die Namens-Buttons für die Wallfahrtsteilnehmer, er verteilte zu Beginn der Messfeiern die von Ursula Herbert und Anita Wiegand formulierten Fürbitten für die Gottesdienst, er ersann in der Regel das alljährlich neue Leitwort für die Wallfahrt, er ließ eigens ein Kreuz auf einem Holzstab anfertigen, das stets an der Spitze der Wallfahrt getragen wird, und er war fast immer der letzte Mann der Wallfahrtsgruppe, um als „Lumpensammler“ darauf zu achten, dass niemand verlorenging. So konnte Helmut Würsching an der Spitze ein Augenmerk darauf haben, dass die richtigen Wege eingeschlagen und beim Wandertempo Rücksicht genommen wurde auf die des Wanderns etwas weniger geübten Wallfahrer.
 
Für die eine oder andere von Kurt erledigte Arbeit fand Würsching jetzt neue Helfer, wie beispielsweise Hartmut Würz für die Namensschilder, aber er bekam auch sein Fehlen zu spüren. Einmal konnte er aus dem hinteren Teil der Pilgergruppe nicht laut genug dem an der Spitze laufenden Träger des Kreuzes den zutreffenden Weg zurufen, wodurch ein kleiner Umweg zu laufen war, und beim Schlussgottesdienst vergaß er mal, den Text der Fürbitten auf Mitwallfahrer zu verteilen. Doch der Einhäuser Pfarrer Klaus Rein half ihm aus der Patsche.
 
Nach dem Schlussgottesdienst in der Wallfahrtsbasilika sind seit einigen Jahren alle Teilnehmer dieser Messfeier zu Kaffee und Kuchen im Gemeindesaal der Pfarrei St. Georg von Walldürn eingeladen. Während der Gemeindesaal renoviert wurde, konnte diese Kaffeetafel dankenswerterweise in der Geriatrie von Walldürn stattfinden.
 
Anfangs wurden Kaffee und Kuchen vor der Wallfahrtsbasilika im Freien angeboten. Dazu heißt es im „Bergsträßer Anzeiger“ vom 27. August 1997: „Nach dem sakramentalen Segen sorgten vor dem Gotteshaus Margret Hiemenz, Sybilla Wachtel, Ruth Zimmer sowie Anton und Maria Thoma dafür, dass die aus Einhausen gekommenen Wallfahrer sich bei Kaffe, Kuchen oder kühlen Getränken regenerierten.“ Heute bereiten Elisabeth Fuchs, Inge Schmidt, Anita Wiegand, Doris Würsching und Elfriede Würz die Kaffeetafel vor. Doris Würsching sorgt durch zahlreiche Telefongespräche dafür, dass einige Ehefrauen der wallfahrenden Männer dazu leckere Kuchen backen und kostenlos überlassen.
 
Einst kamen alle, die den Schlussgottesdienst in der Basilika mit den Wallfahrern feierten, mit eigenen Fahrzeugen nach Walldürn. Das ist auch heute noch so. Doch seit einigen Jahren organisiert Helmut Würsching einen Bus, der außerdem etliche Mitglieder der Einhäuser Pfarrgemeinde, darunter drei Ministranten, in den Wallfahrtsort bringt und der auf der Rückfahrt auch einige Wallfahrer an die Weschnitz zurück transportiert.

Helmut Würsching ist am Ende immer froh, wenn die Männer heil in der Basilika ankommen, denn einmal machte ein Teilnehmer auf dem steilen Weg zur Walburgiskapelle schlapp und musste nach Erbach i. O. ins Krankenhaus. Er atmet immer kräftig durch, wenn das von ihm beschaffte Begleitfahrzeug, nachdem es wieder betankt ist, ohne Schaden seinem Eigentümer zurückgegeben werden kann, denn zweimal klappte das nicht und die von ihm eigens für solche Fälle abgeschlossene Versicherung musste einen Teil der Reparaturkosten übernehmen. Außerdem ist er zufrieden, wenn er noch sonntagabends in Einhausen die leeren und vollen Getränkeflaschen abgeben und abrechnen kann, um danach beim Italiener eine Pizza mit Meeresfrüchten zu verzehren. Er weiß aber auch: Abgeschlossen ist die Wallfahrt erst mit dem Wallfahreressen zu Beginn des nächsten Jahres denn: Nach der Wallfahrt ist vor der Wallfahrt.