Eröffnung der Wallfahrt - 1. Wallfahrtssonntag
05.06.2026 |
Walldürn. Mit der Öffnung des Blutschreins am Blutaltar in der Walldürner Wallfahrtsbasilika durch Offizial Thorsten Weil aus Freiburg begann am Hochfest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit die diesjährige vierwöchige Hauptwallfahrtszeit „Zum Heiligen Blut“ in Walldürn, die in diesem Jahr unter dem Leitwort „Die Liebe hört niemals auf“ (aus dem Brief des Apostel Paulus an die Korinther, Kapitel 13, Vers 8) steht und in Form eines feierlichen Hochamtes gefeiert wurde.
Nachdem Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula OFMConv, die beiden Diakone Friedhelm Bundschuh und Tobias Eckert und die Ministranten den Hauptzelebranten vor dem Katholischen Gemeindehaus abgeholt und unter dem Geläut der Glocken der Wallfahrtsbasilika vom Hauptportal der Basilika Minor aus durch das Längsschiff zum Hauptaltar geleitet hatten, konnte zu Beginn des feierlichen Hochamtes der Wallfahrtsleiter die in der Basilika weilenden Wallfahrer und Gottesdienstbesuchern, insbesondere den Hauptzelebranten, die Konzelebranten und Ministranten sowie Bürgermeister Meikel Dörr und die Vertreter der neuen Pfarrei Bauland-Odenwald auf das herzlichste begrüßen.
Es sei auch dieses Jahr wieder ein besonders freudiges Ereignis, diese vierwöchige Hauptwallfahrtszeit zu begehen und mit den vielen Pilgern von Nah und Fern in unserer Basilika zum Hl. Blut die Eucharistie und Andachten zu feiern, gemeinsam zu beten und auch ins Gespräch zu kommen. Viele Menschen seien zu diesem Wallfahrts-Eröffnungsgottesdienst nach Walldürn gekommen - mit Freude im Herzen, mit Sorgen und Fragen, mit Dankbarkeit, oder mit einer stillen Sehnsucht nach Hoffnung und Frieden. Die dies-jährige Wallfahrt stehe unter dem Leitwort: „Die Liebe hört niemals auf“ (1. Kor. 13,8). Vielleicht würden manche an diesem Tage eine Last mit sich tragen: Trauer, Krankheit, Einsamkeit oder Angst um die Zukunft. Vielleicht kämen andere voller Dankbarkeit hierher . Was immer jeden Einzelnen bewege - er dürfe alles vor den Herrn bringen, der uns Menschen mit liebender Barmherzigkeit zuschaue. So wünsche er allen, aus der Begegnung mit dem Heiligen Blut im Glauben gestärkt zu werden und mit Mut, Zuversicht und Hoffnung in den Alltag zurückzukehren und weiter den im christlichen Glauben eingeschlagenen Weg gehen zu können.
Nach der feierlichen Öffnung des Walldürner "Heilig-Blut-Schreins" durch den Zelebranten, Offizial Thorsten Weil aus Freiburg, nach den von Lektor Heinz-Peter Grießer vorgetragenen Lesungen aus dem Buch Exodus und aus dem 2. Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth, sowie nach der Verkündigung des Heiligen Evangeliums nach Johannes durch Diakon Friedhelm Bundschuh dankte Hauptzelebrant Offizial Thorsten Weil aus Freiburg zu Beginn seiner Wallfahrts-Festpredigt Wallfahrtsleiter Pater Josef für dessen Einladung zu diesem Eröffnungsgottesdienst.
Der Zelebrant hob zu Beginn seiner Wallfahrtspredigt zunächst einmal besonders hervor, dass die Wallfahrtsstadt Walldürn in diesem Jahr auf ihr 400-jähriges des Blutaltars zurückblicke und damit einem Jubiläumsreigen eröffne, denn es würden sich in kürzester Zeit noch zwei weitere Jubiläen anschließen: im übernächsten Jahr 2028 das Jubiläum „300 Jahre Wallfahrtsbasilika“, und im Jahr 2030 das Jubiläum „700 Jahre Walldürner Blutwunder“ - dem Ursprung der Wallfahrt hier in Walldürn. Seit fast 700 Jahren und somit seit dem Jahr 1330 bezeuge die Wallfahrtsgeschichte: „Die Liebe hört niemals auf“. Und tatsächlich: diese Liebe zu Jesus Christus höre niemals auf! Kurz nach Ostern sei bekannt geworden, dass sich in Frankreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika so viele Menschen hätten taufen lassen wie noch nie oder zumindest seit Jahrzehnten.
Den Gründen dafür nachgehend habe er in einer überregionalen deutschsprachigen Zeitung erfahren können, dass es vor allem junge Erwachsene - vorwiegend der sogenannten Generation Z (1995 - 2010) seien, die sich dort hätten taufen lassen. Junge Menschen aus Familien, in denen Religionen keine Rolle gespielte habe, und Junge Menschen, die für die Kirchen und ihr Wirken viel offener seien als ihre Eltern, die ein entspanntes Verhältnis zum Glauben hätten und deutlich häufiger zur Kirche gehen würden als die so-genannte „Boomer-Generation“.
Doch in Deutschland merke man davon derzeit leider nichts. Hier würden momentan Austrittszahlen in den Pressemeldungen dominieren. Dass die Zahl der Katholiken seit 25 Jahren weltweit wachse sei hier in Deutschland oftmals nur als Fußnote angemerkt. Und tatsächlich gebe es diesen Trend wie in Frankreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika bei uns hier in Deutschland nicht. Die Neugetauften jener Länder würden als Grund für den Schritt zum Glauben die Sehnsucht nach festen Werten angeben, nach einem Halt im Leben, nach einem moralischen Kompass. Dazu komme ein Bedürfnis nach Gemeinschaft.
Schaue man hingegen auf in unserem Land, so scheine es, dass hier eine sogenannte Reform-Agenda momentan wohl wichtiger sei als seelsorgerliches und geistiges Tun, als das Reden von Gnade, Schuld, Sühne, aber eben auch Erlösung. Er persönlich sei der Überzeugung, dass Anbiederung an die Gesellschaft nicht der richtige Weg sei, denn wir würden unsere Glaubwürdigkeit nicht daraus beziehen, fortschrittlich zu sein, sondern indem wir uns an Werten orientieren, in Bibel und Tradition würden, die Zeiten überdauern.
Diese gelte es in unsere Zeit zu übersetzen. Aber jede Übersetzung sei nur gut, wenn der Inhalt derselbe bleibe. Das könne gelegentlich auch heißen, sich dem Zeitgeist zu widersetzen - insbesondere dann, wenn der Heilige Geist in eine andere Richtung weise.
An diesem Dreifaltigkeitsfest eröffne man in Walldürn die alljährlich Hauptwallfahrtszeit. Dieser Dreifaltigkeitssonntag sei ein besonders gelagertes Fest. Feiere man sonst Ereignisse in der Geschichte Gottes, in der Geschichte Jesu Christi mit uns Menschen - wie z. B. Weihnachten mit der Geburt Jesu oder Ostern mit dem Tod und der Auferstehung Jesu - so feiere man an diesem Dreifaltigkeitssonntag kein Ereignis, keine konkrete Tat, die Gott für uns Menschen vollbracht habe, sondern vielmehr das, was der Ursprung von allem sei: nämlich Gott selbst!
Ein jeder Katholik müsse sich davor hüten, das Evangelium zu vereinfachen oder relativieren zu wollen, um etwa akzeptiert zu werden. Das sei die große Gefahr heute ein Christentum nach eigenem Gutdünken, das niemand mehr weh tue, das keine Forderung aufstelle. Das sei falsch! Wir Christen alle müssten den Glauben in seiner Gänze verkünden und dürften nicht zulassen, dass aus Furcht vor den Menschen nicht die ganze Wahrheit verkündet werde.
Ein jeder müsse seinen Glauben stark und selbstbewusst, aber mit Sanftmut verkünden. Alle Priester und somit Geistliche könnten ihn nur anbieten - annehmen müsse ihn jeder selbst. Ein jeder könne dies unterstützen, wenn sein Leben mit dem Reden von Jesus Christus übereinstimme. Solche freundliche Unbeugsamkeit scheine es zu sein, was die jungen Menschen in Frankreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika, die sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten dort in signifikant hoher Zahl hätten taufen lassen, angezogen habe. Sie hätten offensichtlich eine Verpflichtung in sich gespürt, sich nicht an kurzfristigen Opportunitäten zu orientieren, sondern an dem, was seit jeher wahr gewesen sei und was der Grund unserer Hoffnung sei. Papst Leo XIV. sei dies seiner Meinung nach im ersten Jahr des Pontifikats gut gelungen. Die Mischung von Deutlichkeit und Sanftmut, und so bezeuge er in überzeugender Weise: „Die Liebe (zu Christus) hört niemals auf!“
Beitrag von
Bernd Stieglmeier








